Bei einer sachlichen Mail darf ein KI-Entwurf ruhig glatt sein. Bei Geburtstagswünschen, Dank oder Beileid ist Perfektion manchmal fast das falsche Ziel. Ein etwas unbeholfener Satz, der eindeutig von dieser Person kommt, kann persönlicher wirken als eine makellose Nachricht, die jeder hätte verschicken können.
Zehn unterschiedliche Menschen posten über zehn unterschiedliche Themen.
Trotzdem beginnen alle mit einer kleinen Überraschung, haben drei sauber getrennte Erkenntnisse und enden mit einer Frage an die Community.
KI kann Texte personalisieren.
Interessanterweise kann sie Menschen dabei auch ziemlich ähnlich klingen lassen.
Besonders schön sind automatische Kundenservice-Mails, die erst ausführlich erklären, wie wichtig das Anliegen ist, dann Verständnis zeigen und am Ende genau die Frage nicht beantworten, wegen der man geschrieben hat.
Empathie: vorhanden.
Information: folgt vielleicht im nächsten Modell.
Eine Quelle mit Autor, Titel und Jahreszahl sieht erst einmal seriös aus. Genau deshalb ist eine erfundene Quellenangabe unangenehmer als ein offensichtliches „weiß ich nicht“. Gute Formatierung kann Überprüfung erleichtern. Sie kann einen Fehler aber auch erstaunlich ordentlich anziehen.
Früher wusste man bei manchen internen Nachrichten schon nach zwei Sätzen ziemlich genau, wer sie geschrieben hatte. Wenn jeder Text auf denselben höflichen, sauberen Geschäftston geglättet wird, bleibt die Information erhalten – aber ein Teil der Person verschwindet aus der Sprache.
Ich finde KI für einen ersten Entwurf ziemlich praktisch. Problematisch wird es für mich, wenn der Entwurf danach behandelt wird, als wäre er schon fertig.
Ein mittelmäßiger Satz, den jemand selbst geschrieben hat, sagt manchmal mehr als drei perfekte Absätze, die jede konkrete Aussage vorsichtshalber weichzeichnen.
Eigentliche Information:
„Bitte schick die Datei bis Freitag.“
KI-Version:
Kontext.
Wertschätzung.
Bedeutung der Zusammenarbeit.
Vier Sätze Übergang.
Bitte schick die Datei bis Freitag.
Freundlicher geworden.
Deadline erfolgreich versteckt.
Wenn ich KI bitte, einen direkten Text „professioneller“ zu machen, kontrolliere ich inzwischen besonders, ob meine eigentliche Position noch drinsteht.
Aus „Ich halte diese Lösung für unnötig kompliziert“ wird schnell etwas über Chancen, Herausforderungen und verschiedene Perspektiven.
Klingt höflicher.
Sagt manchmal nur nicht mehr dasselbe.
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